Lettland hat „Ulya“ unter der Regie von Viesturs Kairišs als seinen Beitrag für die Kategorie „Bester internationaler Film“ bei den Academy Awards 2027 ausgewählt. Das Schwarz-Weiß-Drama zeigt Kārlis Arnolds Avots als Uljana Semjonova, die lettische Basketballlegende, die als erste Frau außerhalb der USA in die Basketball Hall of Fame aufgenommen wurde. Der Film feierte in Cannes in der Sektion Un Certain Regard Premiere und eröffnet am Freitag Estlands Tallinn Black Nights Film Festival.
Inspiriert von Semjonovas Leben begleitet „Ulya“ sie aus einer abgeschiedenen ländlichen Gemeinschaft der Altgläubigen in den Profibasketball. Dort muss sie sich sowohl der Aufmerksamkeit stellen, die ihre außergewöhnliche Körpergröße auf sich zieht, als auch den Belastungen des Spitzensports. Semjonova gewann 1976 und 1980 mit der Sowjetunion olympisches Gold und war zweifache Olympiasiegerin sowie dreifache Weltmeisterin.
Kairišs sagte, die Idee habe Gestalt angenommen, nachdem Avots ihm erzählt hatte, dass er Semjonova schon lange spielen wollte. Den Regisseur bewegte die Geschichte eines großen Mädchens, das auf dem Land lebt, entdeckt und von Trainern nach Riga gebracht wird. Er sagte, er habe zunächst nicht vorgehabt, einen historischen Film oder einen Sportfilm zu drehen, doch der Stoff habe ihm sofort einen Film vor Augen geführt.
Avots ist ein männlicher Schauspieler, der die Sportlerin spielt. Kairišs sagte, die Besetzung habe sich von Anfang an richtig angefühlt, auch wenn einige potenzielle Koproduzenten infrage gestellt hätten, wie das auf der Leinwand wirken würde. Der Regisseur sagte, er sei nicht daran interessiert gewesen, einen konventionellen Film über Semjonova zu machen.
Kairišs nannte Werner Herzogs „Jeder für sich und Gott gegen alle“ als frühen Bezugspunkt und sagte, er habe dem Kameramann Wojciech Staroń vorgeschlagen, Ingmar Bergmans „Persona“ anzusehen. Die zentrale Herausforderung des Films beschrieb er als die Suche nach einem Weg in Semjonovas Innenwelt, statt lediglich die äußeren Ereignisse ihres Lebens zu zeigen.
Der Regisseur sagte außerdem, dass der Fokus des Films auf den privaten Kämpfen einer einzelnen Person auch eine breitere Resonanz entfalten könne – durch die Vorstellung, dass Menschen Teile ihrer selbst verbergen, um äußeren Erwartungen zu entsprechen. Semjonova, die in Riga in der Nähe von Avots lebte, baute eine Beziehung zum Filmteam auf und vertraute ihm. Der Film endet mit einem Foto von ihr und Avots. Semjonova starb im Januar.
„Ulya“ ist Kairišs’ dritter Film, den Lettland ins Oscar-Rennen schickt, nach „Januar“ (2022) und „The Chronicles of Melanie“ (2017). Der neue Film ist eine Koproduktion Lettlands, Polens, Estlands und Litauens. Kairišs sagte, er sei zu einem lokalen Blockbuster geworden und habe seit seinem Kinostart Anfang dieses Jahres rund 105.000 Kinobesuche verzeichnet – Tendenz steigend. Diese Leistung bezeichnete er für einen Schwarz-Weiß-Arthousefilm als bemerkenswert.
Quellen: The Hollywood Reporter.